RadioOffice-Weihnachtstürchen: Warum essen wir im Advent eigentlich Christstollen?
Radio Office

Abspielen

RadioOffice-Weihnachtstürchen: Warum essen wir im Advent eigentlich Christstollen?

01.12.2012 • Länge 00:03:20

RadioOffice-Weihnachtstürchen: Warum essen wir im Advent eigentlich Christstollen?

Jedes Fest hat ja so seine Traditionen und jede Familie dann auch immer noch ihre eigene. An Weihnachten zeigt sich das immer ganz besonders finde ich. Eins haben wir aber alle gemeinsam: An Weihnachten wird gegessen, bis sich keiner mehr rühren kann. Vermutlich ist diese Tradition aber eine Überlebensstrategie, da man sich sonst, wo man ja mit der Familie häufig nur an diesen Tagen so eng aufeinander hockt, wahrscheinlich ständig in der Wolle hätte. „Mach das doch so; dein Baum war aber auch schon mal schöner, gib mal die Soße, das Fleisch ist so trocken…“ Hach, das Fest der Liebe. Naja, zurück zum Essen. Ein fester Bestandteil der weihnachtlichen und auch schon der vorweihnachtlichen Mahlzeiten ist hierzulande ja der Christstollen. Ja, aber warum eigentlich? Also schauen wir doch mal, wo der Stollen eigentlich herkommt. 

[mehr]

Der wohl berühmteste Stollen ist der aus Dresden. Das liegt unter anderem daran, dass man seine Geschichte sehr weit zurückverfolgen kann, und zwar ungefähr bis ins Jahr 1400. Da wurde er zum ersten Mal unter dem Namen Striezel erwähnt und als Weihnachtsgebäck am sächsischen Hof überreicht. Da ist also schon mal die erste Verbindung zum Weihnachtsfest. Aber: Völlerei war damals out. Denn vor Weihnachten hieß es: Fasten. Deshalb durfte für den Striezel weder Butter noch Milch verwendet werden. Stattdessen nahm man Mehl, Hefe und Wasser – ne trockene Angelegenheit also. Die Sachsen, die kleinen Schlemmermäuler, waren davon nicht so begeistert. Und so baten die Kurfürsten Ernst und Albrecht von Sachsen den Papst darum, das Verbot von gehaltvollen Zutaten aufzuheben. Der hatte dann tatsächlich ein Einsehen – wohl auch ein Schleckermaul – und erlaubte mit dem sogenannten Butter-Brief ab sofort Butter und Co.

Um 1500 kam der Stollen auch auf dem Dresdner Weihnachtsmarkt an. Den nannte man deshalb dann sogar Striezelmarkt. Und 1530 wurde dann zum ersten Mal der Dresdner Christstollen erwähnt. zwar verkauften anfangs auch Bäcker aus der Umgebung ihre Stollen auf dem Markt, aber irgendwann setzten die Dresdner Bäcker sich durch und es gab ausschließlich Dresdner Stollen auf dem Weihnachtsmarkt. Hin und wieder machte man sich auch mal die Mühe und buk einfach einen riesigen Stollen. So zum Beispiel auch 1730, da gab es einen 1,8 Tonnen schweren Stollen, der dann später in 24.000 Portionen aufgeteilt wurde. Daran angelehnt, feiert man heute noch jedes Jahr am 2. Advent das Stollenfest auf dem Dresdner Striezelmarkt. Wer wann, wie und wo zur Butter und Milch dann noch Rosinen und das ganze andere Zeug mit in den Teig hineingepackt hat, lässt sich nicht mehr wirklich nachvollziehen. Fakt ist aber, dass die Variante aus Dresden rechtlich geschützt ist und sogar einen eigenen Schutzverband hat.

Zu guter Letzt noch ein paar Kuriositäten über das gehaltvolle Stück: Der gerollte und mit Puderzucker bestäubte Stollen soll auf das in Windeln gewickelte Christkind hindeuten. Aha. Naja, da es in der christlichen Welt ja auch verbreitet ist, den Leib Christi zu essen, kann man wohl hin und wieder auch das Christkind verspeisen. Und noch eine Sache: Nach dem Backen muss der Stollen erst einmal ganze drei Wochen lagern. Erst dann schmeckt er wohl. Und kühl gelagert, hält er angeblich bis Ostern. Na dann, frohes Fest!




Copyright © 2017 Radio-Office. Alle Rechte vorbehalten.